Niki Bey

9. September 2021

Klima: CO2-Entnahmen zum Erreichen der Klimaneutralität

Der IPCC-Bericht von 2021 nennt die Klimaneutralität als eine Voraussetzung, um die Erderwärmung zu stoppen und das 1,5 °C Ziel nicht zu überschreiten. Zudem muss CO2 aus der Atmosphäre entnommen werden, um die derzeitigen Emissionen auszugleichen. Aber was ist eigentlich mit der CO2-Entnahme gemeint und welchen Einfluss hat dies auf die Kompensation der Emissionen zum Erreichen der Klimaneutralität? Ein paar der Antworten darauf finden Sie hier.

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Am 9. August 2021 hat der IPCC seinen Sechsten Sachstandsbericht (AR6) veröffentlicht. Dieser Bericht unterstreicht nachdrücklich, dass das Klima durch die Menschheit in einem noch nie dagewesenen Ausmaß erwärmt wurde, insbesondere in den letzten Jahrzehnten. Extremwetterereignisse betreffen schon jetzt sämtliche Regionen der Welt.
Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist das führende Gremium der UN aus weltweit führenden Klimaexpert:innen, die von den Regierungen ihrer Mitgliedsstaaten ernannt werden, um den Klimawandel wissenschaftlich zu bewerten, zu informieren und aufzuklären.
Im Turnus von etwa sieben Jahren veröffentlicht das Gremium seinen Bericht. Im Jahr 1990 warnte der IPCC vor den möglichen Folgen steigender Treibhausgasemissionen und war maßgeblich am Zustandekommen der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCC) beteiligt, aus dem das Pariser Abkommens von 2015 hervorging.
Was sind CO2-Abscheidungen und wie tragen sie zum Erreichen der Klimaneutralität bei?
Gemäß Definition des IPCC-Berichts AR6 bezeichnet Klimaneutralität den „Zustand, in dem die anthropogenen CO2-Emissionen durch anthropogene CO2-Abscheidungen, also Entfernung aus der Atmosphäre, über einen bestimmten Zeitraum ausgeglichen werden“.
Eine Senkung der CO2-Emissionen allein reicht jedoch nicht aus und kann nicht die einzige Alternative sein. Um die Klimaneutralität zu erreichen, müssen die durch den Menschen verursachten Emissionen durch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal, CDR) zusätzlich ausgeglichen werden.
Im Bericht wird eine CO2-Entnahme gefordert, die den Umfang der durch den Menschen verursachten Emissionen übersteigt. Das bedeutet, dass das Angebot auf dem Markt für die Entnahme von CO2 groß genug sein muss, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und das weltweite 1,5 °C-Ziel zu erreichen.
Aber das ist nicht einfach, denn das Marktangebot reicht noch nicht aus, die erforderliche Nachfrage zu erfüllen. Darüber hinaus sind die wichtigsten Anforderungen an die CDR-Methoden - wie ihr Verstärkungseffekt und ihre Dauerhaftigkeit: 1) oft schwer nachweisbar für die derzeitigen Lösungen 2) und zudem mit Nebeneffekten behaftet. Diese schwächen oder verstärken „das Kohlenstoffbindungs- bzw. Kühlungspotenzial und beeinträchtigen so das Erreichen der Ziele einer nachhaltigen Transformation“, so der IPCC.

Eine Senkung von CO2-Emissionen ist nicht mehr die einzige Alternative. Um die Klimaneutralität zu erreichen, müssen die durch den Menschen verursachten Emissionen durch die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre (Carbon Dioxide Removal, CDR) zusätzlich ausgeglichen werden.

NIKI BEY
NIKI BEY, LEITENDER EXPERTE FÜR DIE ANWENDUNG UND INTEGRATION VON NACHHALTIGKEIT IN ORGANISATIONEN, RAMBOLL MANAGEMENT CONSULTING

Der Nachweis des Verstärkungseffekts und der Dauerhaftigkeit ist von zentraler Bedeutung. Zusatznutzen und Zielkonflikte beziehen sich beispielsweise auf Biodiversität, Wasserverfügbarkeit, Nahrungsmittelproduktion, Bodenqualität, Landnutzungsänderungen und Energiebedarf.
Daher ist es für CO2-Entnahme-Vorhaben unerlässlich, sowohl den Verstärkungseffekt und die Dauerhaftigkeit nachzuweisen, als auch die Nebenwirkungen auf Nachhaltigkeit sorgfältig zu bewerten und einzubeziehen.
Es gibt eine breite Palette von Lösungen zur CO2-Entnahme, die beispielsweise die Auf- und Wiederaufforstung oder die direkte Abscheidung und Speicherung von CO2 aus der Luft (DACCS) umfassen.
Vier Tipps für die Bewertung von CDR-Projekten
Wenn Sie erwägen, in Projekte zur CO2-Entnahme zu investieren, um Klimaneutralität für ihr Unternehmen zu erreichen, beachten Sie bitte die folgenden vier Aspekte. So können Sie die Effektivität dieser Projekte mit mehr Sicherheit bewerten.
1. Bewerten Sie jedes CO2-Entnahmeprojekt separat
Es gibt derzeit noch keinen Zertifizierungsmechanismus, der alle Arten von CO2-Entnahmeprojekten bewertet. Obwohl es einige etablierte Mechanismen gibt, die robuste Methoden zur Bewertung von Maßnahmen zur CO2-Entnahme anwenden, gibt es bereits neue Lösungen zur CO2-Entnahme, die von diesen Mechanismen noch nicht bedacht werden.
2. Zwei Arten von Lösungen
Beachten Sie, dass es zwei Arten von Lösungen gibt, um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen: Naturbasierte und technologiebasierte Lösungen.
Der Markt für naturbasierte Lösungen ist ausgereifter, aber technologiebasierte Lösungen bieten Vorteile in Bezug auf die Messbarkeit und Dauerhaftigkeit der Entfernung, obwohl sie tendenziell teurer sind.
3. Überprüfen Sie das CO2-Entnahmepotenzial einer Lösung genau
Prüfen Sie das Potenzial genau und stellen Sie sicher, dass es mit einer validen Methode quantifiziert wird. Es gibt immer noch große Unterschiede bei der Quantifizierung der tatsächlichen CO2-Entnahme aus der Atmosphäre. Daher sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass die Entnahmemengen nach einer wissenschaftlich anerkannten Methode berechnet werden.
4. Schauen Sie sich die Vor- und Nachteile genau an
Alle Lösungen zur CO2-Entnahme haben auch ihre negativen Seiten. Diese können auch versteckt sein. Umso wichtiger ist eine genaue Prüfung der in Frage kommenden Lösungen auf ihr tatsächliches Potenzial, ihre negativen Auswirkungen und ihre Nachhaltigkeit zu prüfen.
Wie können wir da helfen?
Gemeinsam mit kompetenten Partnern unterstützen wir derzeit die Europäische Kommission bei der Entwicklung eines Zertifizierungsmechanismus für die CO2-Entnahme. Dieser Mechanismus kann die Wirksamkeit und Quantifizierbarkeit der CO2-Entnahme bewerten und überwachen.
Möchten Sie mehr über Lösungen zur CO2-Entnahme erfahren? Kontaktieren Sie unsere Expert:innen für ein weiterführendes Gespräch.

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  • Niki Bey

    Senior Manager

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